[Rezension] Poetisch, ehrlich und ermutigend: Rattatatam, mein Herz von Franziska Seyboldt

[Rezension] Poetisch, ehrlich und ermutigend: Rattatatam, mein Herz von Franziska Seyboldt

23. Oktober 2019 (Buch)Vorstellung Beiträge Rezension 0

 

Es ist ein Stückchen her, seitdem ich eine Rezension geschrieben habe. Weswegen ich mich, ehrlich gesagt auch ein bisschen schwer getan habe mich wieder rein zu finden.
Okay, funktioniert aber ganz gut, wie ich finde. Selbst wenn ich einige meiner alten Rezensionen vom Blog ausgraben musste, um wieder reinfinden zu können.

 

Vielleicht könnt ihr euch ja noch an den Beitrag erinnern, wo ich das Buch vorgestellt hatte, als es den Weg in meinen Briefkasten fand. Wenn man nur mal kurz reinlesen wollte, war man schon gefangen in den poetischen Umschreibungen. Was das auftauchen, ehrlich gesagt, auch sehr erschwert hatte.

 

Aber es hat was für sich von der Sprache gebannt zu sein, schmunzeln zu können über die Worte der Autorin und so ist Rattatatam, mein Herz ein Buch, dass einem vom Kopf ins Herz geht. Einen nicht mehr so schnell loslässt.

 

Das Cover kommt schlicht daher. Mit seinen gelben Schlieren, welche wie Wellen sich Kreis um Kreis über den Einband ziehen. Man sagt gelb sei die Farbe der Freude. Und das obwohl es in dem Buch um die Angst geht, um ein Thema, das man gewiss nicht unbedingt mit Gelb in Verbindung bringt. Aber, wie ich finde, gerade aus diesem Grund, weil man beides nicht unbedingt miteinander verknüpft, hebt sich dieses Buch hervor. Gibt durch die Schlichtheit, durch die lebensfrohe Farbe einem ein Gefühl, dass man unbedingt zu diesem Buch greifen möchte. Wenn man weiß, worum es im Buch geht, so ist, wie ich finde, gerade dieser Gegensatz ein besonderes Kriterium.

 

Franziska Seyboldt hat sich bei diesem Buch für eine poetische Sprache entschieden, um ihre Gefühle, ihren Empfindungen und der Angst Ausdruck zu verleihen. Manchmal chaotisch wie die Angst selbst. Manchmal humorvoll, um allem die Zwänge zu nehmen. Keineswegs getragen, wie man es vermutet hätte. Sondern direkt ins Herz, um sich dort festzusetzten.

 

Wer denkt dies sei ein Selbsthilfebuch, ein Ratgeber oder etwas Ähnliches in der Richtung, dem muss ich sagen, dass die Autorin bewusst für einen anderen Stil entscheiden hat. Um das Chaos der Gefühle zu beschreiben. Um ihnen einen Klang zu geben und auch humorvoll mit einem solch ernstem Thema umzugehen.

So steigt sie als erzählende Figur selbst in den Ring, verleiht dem Ganzen eine Nähe. Man muss sich unweigerlich mit dem Thema auseinandersetzten. Muss unweigerlich in ihre Gefühlswelt, die einem auf eine Achterbahn mitnimmt. Von Hektik über humorvollen Begegnungen bis hin zu denen die eher getrübt sind. Nie lässt Franziska Seyboldt sich selbst aus diesem Kreislauf hinauskatapultieren, verbleibt bei sich, bei ihren Gedanken und lässt dennoch nichts belehrend wirken. Gibt keine Ratschläge oder Hilfestellungen, sondern ist nur sie selbst.

 

So ergibt sich ein Storyverlauf, der aus sich selbst heraus eine abgerundete Sache ist. Dieses Buch hat nicht den Anspruch sich als psychologische Sekundarliteratur über Angstzustände einzuordnen oder als Ratgeber beiseite zu stehen. Auch nicht als erfundenes belletristisches Werk. Denn das was dort geschieht zwischen all den Zeilen, zwischen den Buchstaben das gehört der Autorin. Das sind ihre persönlichen Erlebnisse, ihre Emotionen, ihr Alltag.

 

Gerade weil die Autorin nicht alles mit einem Schleier der Angst schreibt, sondern die Zeilen humorvoll und auch ironisch geschrieben hat, lässt dieses ernste Thema in den Mittelpunkt rücken. Wer sagt, dass ernste Themen keinen Unterhaltungswert haben dürfen? Wer sagt, dass ernste Themen einen bedrücken, einem das Herz verschließen müssen? Ich persönlich finde die Ausarbeitung und wie Autorin ihr Leben beschreibt als gelungenen Aufbau, selbst wenn es hier und da ein wenig überzeichnet zu sein scheint. Denn einige Kapitel wetteifern miteinander, wollen sich überbieten oder gelegentlich zum irrsinnigen Grinsen bringen. Aber gerade das macht das Buch aus, lässt einem dem Freiraum zu Atem, drängt sich nicht auf und entwickelt eine gute Eigendynamik, auch wenn es manchmal überzeichnet.

 

Gelungen erzählt Franziska Seyboldt mit einer ausdrucksvollen Sprache ihr Leben mit der Angst. Lässt einen teilhaben, ohne belehrend zu sein oder Anweisungen zu geben.

Denn jeder muss ihn selbst finden den Weg mit seiner persönlichen Angst umzugehen, mag sie nun einem auf der Schulter sitzen und ins Ohr flüstern oder einen wie ein schweres Gewicht erdrücken. Es gilt dabei eines, und das schwingt im gesamten buch mit, man sollte nie den Humor verlieren, denn selbst ernste Themen können einen unterhalten, ohne diese ins Lächerliche zu ziehen.

 

So hat sich Rattatatam, mein Herz vollkommen verdient 4 springende Zs geholt.

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei dem Kiepenheuer & Witsch Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar danken!

 

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