[Rezension] Abenteuerlich, detailreich und unvergesslich: Die Zauberschiff Chroniken von Robin Hobb [Hörbuch]

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[Rezension] Abenteuerlich, detailreich und unvergesslich: Die Zauberschiff Chroniken von Robin Hobb [Hörbuch]

23. Juli 2018 Rezension 0

Ich muss zugeben, in letzter Zeit ist hier ziemlich wenig passiert. Das liebe Leben, die Arbeit und auch all das dazwischen hat eben zugeschlagen. Das dazwischen sind im Übrigen genau die Dinge, die sich Optimierung & Anpassung dieser Webseite und auch die DSGVO Umsetzung beinhalten. Nach all diesen Dingen war ich meist viel zu erledigt, als das ich noch irgendwelchen Buchstaben auf weißem Papier folgen hätte können. So war ich ziemlich lange auf der Suche nach einem passenden Hörbuch. Es sollte nicht zu lang, nicht zu kurz sein. Am besten eine komplette Reihe. Am besten etwas Fantasy. So tauchte schließlich auf meinem Smartphone Bildschirm die Autorin Robin Hobb auf. Und es begann alles damit, das ich mit Salzgeruch in meiner Nase mich in die Zauberschiffe verliebte…
 
Man wünscht sich die Zauberschiffe nie mehr zu verlassen, so fesselnd sind all diese Legenden und unvergesslichen Momente.
 
Die Cover dieser Hörbuchreihe sind so aufeinander abgestimmt, dass 2 Hörbücher sich ein Motiv teilen. Dies hat es mir manchmal zwar schwer gemacht, die Reihenfolge auseinander zu halten, aber da sich auch der Titel von Cover zu Cover ändert, konnte ich mich daran orientieren.
Die Motive auf den einzelnen Covern wirken aufgrund der Inszenierung perfekt auf den Inhalt der Bücher abgestimmt. Man sieht verschiedene gezeichnete Figuren, welche man sehr gut mit den Hauptpersonen im Buch verknüpfen kann, sodass man die Geschichte mit jedem Cover praktisch einsaugt.
Auch die weiteren verschiedenen Elemente lassen einen eintauchen in eine Welt, in welcher Salz in der Luft liegt, das Schreien der Möwen die Nächte durchbrechen und Fahrtwind an den Haaren zieht. Denn Schiffe, die See und auch Holz sind wichtige Bestandteile dieser Reihe. Und genau das spiegelt sich auch auf diesen fantastischen Covern wieder, die Wert auf eine nahe Bindung zum Inhalt legen und einen mit den Farben in die richtige Stimmung des Buches versetzten.
Mit jedem neuen Cover, mit jedem neuen Titel wurde ich tiefer und tiefer in ihre Welt gezogen, stellte mir Figuren und die Zauberschiffe so vor, wie es auf diesen Covern angedeutet wurde.
 
Die Sprache von Robin Hobb lässt einen in eine längst vergangene Zeit wandern, weitab den üblichen Piratengeschichten. Denn die Autorin schaffte es mit ihren Worten mitten im Geschehen zu halten. Sie geizte nicht mit Beschreibungen, setzte diese aber genau an den richtigen Stellen, sodass mir Gefühle, Regungen und auch örtliche Begebenheiten vor dem inneren Auge erschienen. Ich roch Salz in der Luft, spürte den Fahrtwind an meinen Haaren ziehen, litt aber ebenso an gefährlichen Wunden, an Kummer und auch an all den Sachen, welche die Figuren zu dem machen, was sie sind.
Denn Robin Hobb schafft es neben den örtlichen Begebenheiten auch die Personen zu beschreiben. Sie wählt für jede Person eine andere Wortwahl. Gibt ihnen somit eine eigene Stimme, sodass man sie direkt unterscheiden kann.
Hier muss ich der Autorin zu Gute halten, dass sich die Beschreibungen je nach Situation und Buch unterscheiden. So beschreibt sie heitere Momente genau mit solchen Worten, dass diese bei mir auch ein Lächeln auf die Lippen zauberte, ließ aber hingegen Gräueltaten mit einem bitteren Beigeschmack bei mir ankommen.
 
Der Sprecher Matthias Lühn schafft es mit den vorgegebenen Worten der Autorin so viel Lebendigkeit in die Figuren zu bringen, dass ich seiner Stimme selbst dann folgen konnte, wenn ich mich nebenbei einer vollkommenen anderen Aufgabe widmete. So war die Reise mit den Zauberschiffen aufgrund dieser herausragenden Arbeit ein echtes Hörerlebnis.
 
In den Zauberschiff Chroniken tauchen viele verschiedene Figuren auf, welche sich unterscheiden. Welche an sich wachsen, aber auch selbst an ihrem Dasein verzweifeln. Hier ist es der Autorin gelungen absolute Favoriten von mir in den letzten Zügen zu solchen werden zu lassen, die ich so gar nicht mag. Und wiederum wurden Figuren, die ich nicht mag zu solchen mit denen ich schließlich absolut mitfiebern konnte.
 
So zum Beispiel der Pirat Kennit, den man eigentlich nur in sein Herz schließen kann. Aufgrund seiner detailreichen Vergangenheit, welche man Stück für Stück in der Reihe (bestehend aus 6 Büchern) aufdeckt, wird er jedoch zu jemandem, der ziemlich schnell bei mir in Ungnade gefallen ist. Und dies, weil er einer Person genau das Gleiche zuteilwerden lässt, was ihm widerfahren ist. Diese Entwicklung hat mich ziemlich frustriert und lässt mich hier wirklich zweigespalten über den Piraten denken. Erst befreit er Sklaven, vereint ein ganzes zersplittertes Piratenreich und dann kommt auf einmal dieser Bruch.
 
Bei Malta, einer reichen und verwöhnten Jugendlichen, hingegen war ich positiv überrascht. Malta ist zu Beginn noch ziemlich unbedarft, was man bei ihrer Tante Althea nicht sagen kann. Malta lässt mich so ziemlich am Anfang gegenüber sich selbst eine Antisympathie aufbauen. Nicht weil sie naiv ist. Das kann ich noch verstehen, denn sie ist verdammt jung. Dennoch denkt sie selbst in ihrem zarten Alter nicht wie sie auf andere wirken könnte. Ich mochte sie von Anfang an nicht. Sie ist verwöhnt, denkt sie hätte jetzt und hier immer das Recht auf Alles und Jeden. Sie ging mir auf den Nerv mit ihrem kindlichen Gehabe, bis sie von (Hör)Buch zu (Hör)Buch erwachsener und selbständiger wurde. Zu dieser Entwicklung trägt nicht (wie bei so anderen Figuren) die Vergangenheit bei, sondern das was ihr gerade passiert. Malta wird, aufgrund der vielen Ungerechtigkeiten gegenüber ihrer Familie und auch aus eigenem Verschulden (zumeist am Anfang durch ihre Naivität verursacht und später durch ihren eigenen und widerstandsfähigen Charakter verursacht) zu einer wahren Heldin, die ich einfach nur ins Herz schließen konnte.
 
Rheyn, der seit der ersten Begegnung mit ihr einen Narren an ihr gefressen hat, bleibt ein treuer und wirklich süßer Gefährte an ihrer Seite, fordert gleichzeitig ihren noch vergrabenen Charakter heraus sich zu zeigen und bringt immer wieder und immer mehr Licht ins Dunkle.
 
Bei Althea hingegen, mit der unser Abenteuer auf den Zauberschiffen beginnt, konnte ich mich nur teilweise wirklich anfreunden. Eigentlich liebe ich Charaktere wie sie. Sie hat ihren eigenen Kopf, lässt sich nicht den Mund verbieten und ist eine starke Persönlichkeit. Doch mit ihr gab es so den einen oder anderen Moment, den ich wirklich nicht nachvollziehen kann. Diese Momente haben die gesamte Geschichte beeinflusst, sie in diese Bahnen gelenkt, in der sich die Chroniken der Zauberschiffe nun befinden. Sie ist zwar ein Charakter, der überaus wichtig ist, aber auch manchmal einfach zu sehr über die Stränge schlägt. Im Verlauf der Geschichte erlebt sie ziemlich viel, dass mich zwar auch mit ihr mitleiden lässt, aber bei einigen Dingen kann ich nur den Kopf schütteln. Denn ihr Mundwerk, dass Öfter schneller spricht, als sie denkt, lässt sie auch in so manche Situation schlittern, die sie einfach umgehen hätte können. Auch wenn solche Situationen schließlich das Gesamtbild dieser Figur prägen, konnte ich bei vielen wirklich nur die Stirn runzeln.
 
Die Figur, welche ich von Anfang bis zum Ende hin in mein Herz geschlossen habe war Wintrow. Ich mag diesen Jungen. All das was mit ihm geschieht, dafür kann er nichts. Er ist als Priesteranwärter ein ruhiger und besonnener Mann, passt sich seinen Umständen und dem Leben auf rauer See dennoch an. Ich mag ihn, weil er ein großes Herz hat, dass er trotz aller Widrigkeiten beibehält. Ich liebe ihn für seine Art, wie er an die Dinge heran geht, liebe es ebenso, wie er sich seiner neuen Aufgabe stellt und sich mit der Zeit weiter und weiter entwickelt, dazulernt und auch all dem trotzend den Kopf entgegenstreckt, was ihm passiert.
 
Rundum kann man sagen, dass die Autorin Robin Hobb solche Figuren geschaffen hat, die ich zum einen ins Herz schließen und gleichzeitig verabscheuen konnte. Besonders gut fand ich, dass jede Figur seinen eigenen Weg geht, denen der anderen aber dennoch beeinflusst und keineswegs Floskeln verwendet werden. So bleiben die Figuren, meiner Meinung nach, nicht nur im Schatten, sondern lassen die ganze Story erst glänzen, geben ihr etwas, was sie unweigerlich mit dem ganzen Geschehen verwurzelt.
 
Schiffe, Piraten und auch Seeungeheuer. Dies sind Elemente, welche ich aus vielen Abenteuerbüchern kenne. Und dennoch schafft die Autorin den Storyverlauf in eine solche Richtung zu bringen, dass ich tiefer und tiefer in die Geheimnisse der Zauberschiffe eintauchen und die Legenden erkunden will, welche sich um die Regenwildleute ranken. Dabei ist die Story so eng mit den Handlungen der Figuren verwoben, dass sie sich so sehr beeinflussen und nicht ohne einander auskommen.
Während ich die einzelnen, reingeschobenen Episoden versucht irgendwie einzuordnen, schreite ich mit dem Hexenholz soweit voran, dass ich schließlich einen Geistesblitz in mir aufflammen hörte. Sicherlich ist dies gewollt. Dennoch habe ich ziemlich gefreut dieses eine Geheimnis zu lüften und der Story weiter zu folgen. Ich wollte mehr erfahren. Wollte wissen, wie das Ganze zu dem kam, wie es jetzt ist (und ohne vorher den Weitseher-Zyklus zu kennen war dies wirklich ein verdammt gutes Gefühl!) und da ich nun einmal Seefahrten, Gischt und auch Piraten mag, folgte ich ohne Umschweife und ließ mich von den lebenden Schiffen forttragen, lauschte ihren Geschichten, folgte den Kämpfen und ganz besonders folgte ich auch Rheyn in seine Heimatstadt, die in der Regenwildnis so ziemlich jedes erstaunliche Wunder verbarg, dass ich sehnsüchtig erwartete in diesem Fantasy-Epos. Lediglich das Ende kam mir etwas zu übereilt. Ich wollte weiter in dieser neuen Welt leben. Selbst nach 110 Stunden des Hörens, wollte ich keinen Abschied nehmen (was dann dazu führte, dass ich den Weitseher-Zyklus begonnen habe) und deswegen etwas traurig war, als alles Schlag auf Schlag kam, man kaum Luft holen und weiter in dieser fantastischen Welt mit sprechenden und sich erinnernden Schiffen verbleiben wollte.
 
Der Aufbau der ganzen Story ist angefangen von der Mythologie und den einzelnen Figuren so komplett in sich geschlossen, dass es als Gesamtbild betrachtet ein Fantasy Epos ist, der mir einfach nicht aus dem Kopf gehen will. Man kann kaum sagen, was sich hier beeinflusst. Sind es die Figuren, die ihren Weg gehen und dabei wie reinzufällig über das Eine oder das Andere stolpern oder ist es die Geschichte, welche einem nur an der Nase herum führt und alles nur eine große Prophezeiung ist? Meiner Meinung nach ist genau das der Reiz dieser Story. Alles ist mit einander verwoben. Ich liebe es, wenn der Weltenaufbau nicht nur stumpf heruntergebetet wird, sondern Hauptelement der Story ist und die Handlungen der Personen nicht sinnlose Elemente beinhaltet, weswegen ich diese langen Hörstunden genossen habe. Am liebsten wäre mir, wenn ich ihnen sogar weiter folgen könnte, da alles so stimmig und aufeinander aufbauend ist, alles so reibungslos ineinandergreift, dass ich das überstürzte Ende (was die Autorin scheinbar aber gerne macht, wie ich an dem Weitseher ebenso mitbekommen habe) wirklich gehasst habe. Ich wollte noch nicht auftauchen und dennoch mussten Die Zauberschiff Chroniken zum Abschluss kommen. Das Ende, auch wenn es für mich sehr übereilt ist, ist keineswegs schlecht. Nein, es passt vollkommen, nur ich bin eben traurig aus den Wellen gestiegen zu sein, auf denen mich die Zauberschiffe getragen haben.
 
Für dieses grandiose Hörvergnügen, dass komplett in sich stimmig ist und neben abenteuerlichen Kämpfen auf den Brettern von Schiffen auch fantastische Legenden bereithält, vergebe ich an dieser Stelle 5 springende Zs.

Lasse andere an diesen Zeilen teilhaben!

 

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