[Kolumne] Zwischen Spitzzüngigkeit, der Selbstbestimmung und altbekannten Klischees

[Kolumne] Zwischen Spitzzüngigkeit, der Selbstbestimmung und altbekannten Klischees

13. April 2017 Beiträge Donnerstagsdiskussion Kolumne 14

Wir alle kennen sie. Einige lieben wir. Und andere wiederum wollen wir einfach nur durch das Buch ziehen und den Kopf waschen.

Weibliche Romanfiguren gibt es wie Sand am Meer. Und jede Kategorie ist dabei.
Würde man meinen. Denn es gibt Protagonistinnen, welche sich nach einem bestimmten Schema immer und immer wieder auf die Bestsellerliste verirren. Und wie ich finde gibt es dort ein sehr erschreckendes Bild, welches vor allem in Jugendbüchern stark vertreten ist.
 

Natürlich gibt es Klischees. Diese sind in der Welt einfach nicht zu vermeiden. Machen es uns einfacher jemanden in eine bestimmte Gruppe zu schieben oder aber uns eine Meinung zu bilden. Zugegeben eine Meinung, die meist einfach nur oberflächlich ist. Aber eben auch wichtig. Oder?
Denn es gibt sie einfach zu oft. Diese Klischees in den Jugendbüchern. Und wir reden nicht von den versuchten Bad Boys, die sich mit harter Schale und weichem Kern in Geldscheinregen ihren Waschbrettbauch einschmieren.
Sondern von einem Frauenbild, das mich mitunter auch ziemlich zurück schrecken lässt.
 
Vielleicht kennen einige von euch meinen privaten Feed auf Facebook. Diese werden jetzt anerkennend nicken, andere werden sich n den Kopf fassen und wiederum (für alle diejenigen, die mich privat auf Facebook nicht kennen) andere werden ein großes Fragezeichen über dem Kopf haben.
In letzter Zeit habe ich mich vermehrt mit dem Frauenbild in (von Verlagen oder den Autoren selbst angepriesenen) Jugendbüchern beschäftigt.
Natürlich lässt sich darüber streiten (da ja alles so fiktional ist und man selbst in der Jugend gar nicht so beeinflussbar), ob und wer den eine Verantwortung gegenüber dieser Zielgruppe trägt. Der Verlag, der Käufer oder aber auch der Autor selbst?
Aber dennoch stand für mich fest, dass vor allem in den Jugendbüchern, die Bestseller geworden sind (und zum Beispiel auf der Spiegel Bestsellerliste stehen oder vom Verlag aus dem digitalem Imprint in den Buchhandel geholt worden) ein ganz bestimmter Frauenschlag zu finden ist.

 

 

Sie sind jung, spitzzüngig und verlieren dann dennoch ihre Würde und ihre Stärke (zusammen mit der Selbstständigkeit), wenn es um den männlichen Part geht.
Oder aber: Sie werden nicht beachtet, weil andere Protagonisten sie für zu hässlich oder zu uncool halten. Und plötzlich verwandeln sie sich vom hässlichen Entlein in den glanzvollen Schwan. Werden beachtet und natürlich verliebt sich der coole Schwarm auch in einen! Natürlich liegt dann jeder Mann zu Füßen. Und das nur weil man sich einem Schema anpasst, dass man sehr gut aus Frauenzeitschriften kennt.
 
Also so nach dem Motto: Friss oder Stirb? Wenn du vergeben bist, dann musst du dich nicht mehr um andere Sachen kümmern? Schon gar nicht, dass du auf eigenen Beinen stehst und ein Recht drauf hast, dass man dir deine eigenen Entscheidungen lässt. Natürlich weiß der mächtige Mann, der schon in seinen Teenie Jahren wie ein muskulöser Mittzwanziger aussieht und dazu noch eindeutig mehr Schotter hat als man selbst, was für einen das Beste ist.
Das ist natürlich einfach nur zum niederknien und Luftzufächeln, bevor man in Ohnmacht fällt, weil man eben einfach nicht mehr denken kann, wenn ein solcher Kerl vor einem steht. Oder aber… Oh doch! Klar, kann man noch eigenständig denken. Ein sarkastischer Spruch auf den Lippen und schon… schwupp… wird aus einem wieder eine starke Frau, die gut selbst zurechtkommt. Natürlich bis man wieder benebelt ist von seinem Duft. Oder auch wahlweise von diesem Körper. Dann schieben wir einfach einen weiteren Spruch hinterher.
Bloß nicht anmerken lassen, dass man ihm verfallen ist. Nein, das merkt er ja spätestens dann, wenn man eine eigene Entscheidung treffen will, aber wegen Drohungen jeglicher Art ins gemachte Nest zurückgekrochen kommt.
Frau will ja nicht ihre Würde verlieren.

 

 

Also sind all die Bellas, Ellas und Jess‘,Felicitys und wie sie alle noch heißen mögen so vollkommen in Klischees verankert, dass sie an einer Zielgruppe vorbei schreiben?
Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass weder Twilight, noch Paper Princess (laut dem Autorenduo ist dieser Roman wirklich für Young Adult/jugendliche Leser ab 17; hier nachzulesen), noch die Pan-Trilogie oder eben auch Götterfunke sich nur an eine Zielgruppe richtet. Nicht nur mit Erstaunen. Mit Erschrecken ebenfalls.
 
Wer mich kennt, der weiß, dass auch ich einmal ein TwiHard gewesen bin. Klar, war meine Jugendzeit. Da kann man doch einfach nur von einem Edward träumen? Nicht wahr? Aus heutiger Sicht… Phu… Ich glaube ich würde mir die Haare raufen. Weil Bella erst eindeutig stark tut. Und dann, wenn sie ihren Mann der Träume gefunden hat, genau dort versagt, wo es wichtig wäre.
Und da wir gerade bei den Storys sind. Ella aus Paper Princess… Ich mochte sie. Die ersten 30 Seiten. Sie ging arbeiten, hat für sich selbst gesorgt und es gab mehr als dieses triviale Teenie Drama. Doch dann, kaum ist sie in einem reichen Umfeld mit wirklich heißen Typen (was bis zum Umfallen natürlich erwähnt werden muss… Füllt ja ein paar Absätze!), schon kann sie nur noch spitze Kommentare abgeben und lässt sich geradezu um den Finger wickeln.
Aber, da ich beschlossen habe zu diesem (aus meiner Sicht) sehr bedenklichem Roman eine Rezension zu verfassen, werdet ihr bald schon meine ganzen Kritikpunkte dazu bekommen.

 

 

Also weiter im Text. Viele unserer sehr erfolgreichen Jugendbücher bedienen sich mittlerweile ausschließlich an Klischees. Die Frauen (oder sollte ich Mädchen sagen? So verhalten sie sich nämlich… ) werden zunehmend zickiger. Verwechseln dies aber scheinbar mit dem sagen der eigenen Meinung. Geben zynische Kommentare darüber ab, dass man es doch selbst schafft und muss dann idiotischer Weise jedoch wieder (weil sie einfach wirklich hilflos sind) auf den Mann zurückgreifen. Der natürlich gut aussieht. Und von jedem Mädchen begehrt wird. Es ist also eine Ehre, dass er mir hilft! (OH MEIN GOTT *ausraste* ER STEHT AUF MICH?? Dabei könnte er doch jede andere haben. Mit diesem Body…)
Oder aber sie versinken im Selbstmitleid, weil sie nicht dem gängigen und überaus frauenfeindlichem Schönheitsideal entsprechen. Natürlich werden sie sich aber anpassen. Man will ja ein Happy End, wo das junge Mädchen den Mann ihrer Träume gefunden hat. Heiratet. Kinder bekommt und natürlich Haus und Hof hüten kann. Der Mann geht arbeiten. Reicht ja aus. Gut, dass Hausarbeit ebenso (und eine weitaus härtere) Arbeit ist wird ja aber nicht erwähnt. Kinder hüten und putzen. Kochen und waschen. Alles ja kein Problem. Und wenn man(n) dann doch ein wenige locker machen kann wird eben eine Haushälterin eingestellt. So kann Frau sich ja dann auch um die Bedürfnisse des Mannes kümmern. Aber das sollte jede auch für sich entscheiden. Mein Fall wäre dies im Übrigen nicht.
 
Neben diesen Klischees gibt es kaum noch andere Frauenbilder. Entweder man kann seinen Mund aufreißen und sarkastische Sprüche klopfen (und dann die Emanzipation vergessen, oh ja, es pocht ja so angenehm zwischen den Beinen; der Kerl ist einfach zum niederknien) oder aber bleibt hilflos. Natürlich gibt es auch Jugendbücher, welche nicht ausschließlich in solchen Klischees aufgebaut sind. Die uns Frauen nicht in ein paar Schubladen stecken und uns nicht weismachen wollen, dass Sarkasmus allein eine starke Frau ausmacht. Doch leider gibt es vor allem in den Bestsellerriegen, meines Erachtens nach, zu wenige dieser.
 
 
Wie findet ihr denn diese Schubladen, die gerne in Jugendbüchern aufgerissen werden um ein möglichst großes Publikum zu erreichen? Sagt ihr, dass dies ja alles nur Fiktion ist und niemanden wehtut? Oder vertretet ihr auch die Ansicht, dass sich Fiktion durchaus auch in den Köpfen von beeinflussbaren jungen Mädchen festsetzten können?

 

14 Antworten

  1. Rebecca sagt:

    Ich persönlich hasse diese Schubladen. Im gleichen Atemzug muss ich aber sagen, dass mir manchmal, je nachdem in welcher “Lesephase” ich mich befinde, das nicht so stark auffällt. Ein Zeichen dafür, wie stark man an dieses Bild von schwachen Mädchen und einem teuflisch attraktiven Kerl gewöhnt ist. Allerdings fällt es mir auch immer häufiger auf. Wenn man da ein Bewusstsein für entwickelt, kann man nie mehr die Augen komplett davor verschließen. Aus dem Grund kann ich auch nicht mehr nur Jugendbücher oder vor allem New Adult lesen. Da wird dieses Klischee in einem Schema F immer wieder abgegriffen und das nervt.

    Ich hoffe, dass die Autoren und vor allem die Verlage sich da langsam weiterentwickeln und Geschichten veröffentlichen, die erstmal gegen den Strom schwimmen, aber die Gesellschaft dauerhaft in einem besseren Maße beeinflussen.

    Liebe Grüße
    Rebecca

  2. Mir schwirrt der Kopf, nicht weil mir das nicht schon unbewusst aufgefallen wäre, sondern weil man sich fragt, wie man das am besten ändern kann. Einfach etwas anderes schreiben, reicht nicht, weil es muss ja auch jemand lesen. Das führt zur nächsten Frage: Woher kommt der Erfolg? Natürlich ist da der Wunsch nach Glück und Erfüllung, den jeder Mensch kennt. Doch lässt sich das für weibliche Leser nur mit einem Mann erreichen? Bestimmt nicht mehr, als Männer eine Frau suchen. (sofern man überhaupt auf der Suche nach einem Partner des anderen Geschlechts ist – kommt ja noch dazu). Wird jungen Mädchen via Disney dieser Traum schon so eingeimpft, dass nichts anderes funktioniert, oder sind Verlage einfach zu feige, andere Ansätze ins Hauptprogramm zu hieven, oder sind die reflektierten Autoren zu überheblich um einfach einen leicht zu lesenden Jugendroman zu schreiben? Klischees sind die Wurzeln von Diskriminierung, die sich so immer weiter fortpflanzt. Mir schwirrt der Kopf.

  3. Hey 😃

    super interessanter Beitrag, der genau das anspricht, was ich im Laufe der Jahre auch bei einem Jugendbuch nach dem anderen festgestellt habe – und weshalb ich mittlerweile eigentlich so gut wie keine Jugendbücher mehr lese, es geht mir einfach zu sehr auf die Nerven 🙄 Nicht, dass es das Problem NUR in Jugendbüchern gäbe, aber meiner Erfahrung nach nimmt es halt gerade da in allen Genres Überhand …
    Auf jeden Fall ein toller, sehr treffender Beitrag zum Thema! Ich geh jetzt mal noch ein bisschen weiter stöbern 😊

    Liebe Grüße (aus dem #litnetzwerk)
    Rike

  4. Anne-Marit Strandborg sagt:

    Moin, liebe Sarah,

    ich lese kaum noch Jugendbücher, es sei denn, es ist ein “Buch über Bücher”. Trotzdem: ein sehr interessanter Beitrag.

    Liebe Grüße (aus dem #litnetzwerk),
    Anne

  5. Liebe Sarah,

    ein ehrlicher und mutiger Beitrag!
    Ich kann mich deinen Bedenken nur anschließen, oftmals möchte ich gerne selbst einfach nur den Kopf in den Sand stecken. Das heißt natürlich nicht, dass ich keine Geschichten mit Klischees lese und manchmal auch liebe. Aber es kommt einfach auf den Umfang an. Manchmal gelingt es mir zu differenzieren und wenigstens dem Setting ein paar Punkte zuzusprechen, wenn es aber Überhand annimmt und die Moral von der Geschicht “Ohne ihn wäre ich verloren” ist, puh…dann eben nicht.
    Ich finde es einfach sehr schade, freue mich dann aber über jede Geschichte umso mehr, die das Gegenteil beweist.
    Natürlich ist es jedem selbst überlassen, was er lesen möchte und was ihm gefällt – das ist das wichtigste! – aber man sollte für sich selbst einfach einen Punkt finden, mit dem man glücklich und einverstanden ist.

    Liebste Grüße <3 Jill

  6. Corinna sagt:

    Hallo Sarah,
    ein wirklich interessantes Thema für eine Kolumne. Auch ich kann bei manchen Protagonisten nur den Kopf schütteln.
    Ich erinnere mich an eine Veranstaltung auf der letzten Frankfurter Buchmesse mit mehreren Autorinnen, die im Romantic Genre angesiedelt sind. Da wurde erst laut verkündet, dass man unbedingt ein neues Frauenbild in den Romanen verankert möchte. Nur, um kurz darauf wieder von “Bad Boys” zu sprechen, die doch der Traum einer jeden Frau sind. Äh, nein?
    Twighlight zum Beispiel habe ich auch gelesen, da kam man ja zu der Zeit kaum vorbei. Hat mir auch ganz gut gefallen. Das Problem sehe ich in der Menge der Stereotypen, die immer wieder auftauchen und gerade jungen Mädchen dieses Bild vermitteln.
    Man sollte bei seiner Lektüre deutlich mehr auf positive Frauenbilder achten! Danke für diesen Gedankenanstoß.
    Viele Grüße,
    Corinna
    #litnetzwerk

  7. Jenny sagt:

    Liebe Sarah,

    du sprichst mir so eindeutig aus der Seele! Genau diese Gedanken habe ich auch öfter dazu und frage mich immer wieder: Wie könnt ihr diese Frauen als “stark” empfinden? Bella macht sich so abhängig von Edward und kaum verschwindet er, hat ihr Leben keinen Sinn mehr? Ehm, hallo? Was soll uns das zeigen? Ohne den Kerl bist du als Frau ja auch zu nichts mehr zu gebrauchen, weil er dich zusammenhalten muss?
    Und dieses hässliche Entlein (und natürlich Jungfrau, noch nie einen Freund gehabt, geschweige denn mal jemanden geküsst!) Syndrom, ja klar, denen ist natürlich nicht bewusst, dass sie scheinbar doch die hübscheste Frau überhaupt sind.
    Ich könnte mich jetzt reinsteigern, aber das hast du für mich ja schon so schön zusammen gefasst! 😀

    Liebste Grüße, Jenny

  8. Elisa sagt:

    Hallo Sarah,

    das ist ein wirklich gelungener Beitrag von dem ich viel ähnlich sehe.
    Ich lese Jugendbücher eigentlich ganz gerne, aber in letzter Zeit haben mir solche Klischees (und noch ein paar andere) ziemlich das Interesse an dem Genre versaut. Es stört mich, dass sich so viele Protagonistinnen ähneln und dann auch noch solche Rollenbilder vermittelt werden.

    LG
    Elisa

  9. Cathy sagt:

    Ist schon interessant, wie viele Mädchen mit Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter oder Hermine Granger aufgewachsen sind und sich doch in einer Figur wie Bella aus Twilight wiederfinden können. Oder zumindest mit ihr sympathisieren. Schade.
    Kann es ohne Mary Sue keine Romantik geben? Können selbstbewusste Frauen sich nicht verlieben? Verlieben sicherlich, aber der Kitsch käme doch deutlich kürzer würde ich behaupten. Kenne mich in dem Genre der Liebesgeschichten nicht aus, daher sind das nur Theorien.

  10. Sabine sagt:

    Hi Sarah,
    cooler Artikel, danke! Ich würde auf jeden Fall sagen, dass das Argument “ist ja nur Fiktion” keine Entschuldigung für eine(n) Autoren/Autorin ist, sich seiner/ihrer Verantwortung zu entziehen, gerade, wenn er/ sie Bücher für Jugendliche schreibt! Wie beeinflussbar man ist, kann man ja an sich selbst sehen – wie du fand ich als Teenie “Twilight” total gut und habe nichts Komisches an der bis zum Erbrechen passiven Bella und dem kontrollierenden Edward gefunden. Als junges Mädchen verinnerlicht man diese Rollenklischees.
    Lg, Sabine

  11. Hallo Sarah,
    erst mal Daumen hoch für diesen Beitrag. Du hast dich da mit einem ziemlich aktuellem Thema auseinander gesetzt.
    Ich selbst kenne diese Klischees nur zu gut, da ich deswegen die Finger von solchen Büchern lasse. Gleichtzeitig merke ich aber auch, dass man sie auf alle Genre ausweiten kann. Bei Thrillern und Krimis wäre es zB der verkorkste Ermittler, mit einer kaputten Beziehung. Das geht mir auch gewaltig auf den Geist. Um so mehr freut es mich dann, wenn eine intakte Familie im Hintergrund ist und er sich nicht mit Whsikey und Brandy die Haare wäscht, bevor er ins BEtt geht.

    Liebe Grüße
    Lilly

  12. Elena sagt:

    Ein schöner Beitrag, der einen kritischen Blick auf die Jugendliteratur wirkt. Mir geht das mittlerweile auch sehr auf den Keks, dass die Mädchen erst so selbstbewusst und eigenständig skizziert werden, aber dann letztlich doch alle einen Helden brauchen. Ich bezweifle nur, dass es früher besser war, sondern denke eher, dass wir kritischer geworden sind.

    Auf dem neuen Blog “Gondor statt Mordor” ging letzten Samstag mein Beitrag “Über Geschmack lässt sich nicht streiten – über den Inhalt schon!” online, der sich unter anderen damit beschäftigt, dass wir Blogger in der Verantwortung sind, solche Missstände anzumahnen. Kannst du dir ja vielleicht mal durchlesen.

  13. Julia H. sagt:

    Was für ein super-genialer Blogpost über ein Thema, das mich in Büchern auch immer wieder beschäftigt!

    Es macht mich immer wieder aufs Neue fertig, wie Mädchen/Frauen oft dargestellt werden: der hilflose, wunderschöne Schwand trifft den absoluten Macho Bad Boy – aber neeeein, sie verfällt ihm sofort und benimmt sich wie ein liebesblinder Trottel. Im Epilog sind die beiden dann natürlich glücklich verheiratet, mit Kindern. Ganz abgesehen davon, dass die meisten ersten Beziehungen nur sehr selten lange dauern …

    Die andere Art Figur, die du ansprichst, ist mir da schon eher sympathisch: sarkastisch, immer mit einem guten Spruch, meistens (!) sehr selbstständig. Obwohl diese Art Charakter dann in den meisten YA Büchern dann plötzlich unerwartet diesen mysteriösen Hottie trifft und an gar nichts mehr denken kann außer ihm … Autoren können doch nicht wirklich denken, dass das wichtigste überhaupt für eine weibliche Person ist, einen Partner zu finden?! Ich würde gerne mal ein Buch ohne jegliche Klischees lesen, wo die Protagonistin wirklich menschlich erscheint mit Stärken und Schwachen und nicht wie eine weitere billige Kopie aus der Klischee-Schublade.

    LG Julia

    • Hallo Julia,

      ja, ein Buch ohne jegliche Klischees wäre mal nicht schlecht. Oder aber ein Buch, dass so richtig schön mit den Klischees spielt (sie aufbricht, weil eben ein Mensch mehr ist, als nur eine Schublade) wäre mal eine besondere Abwechslung in der YA Literatur.
      Natürlich kann jeder für sich selbst herausfinden, ob die Lebensaufgabe einen Partner zu finden in den man unsterblich verliebt ist (und natürlich wahnsinnig heiß aussieht und mindestens ein paar Millionen auf dem Konto hat) für einen selbst ausreicht oder nicht.
      Dennoch finde ich es reichlich bedenklich, dass (vor allem bei Paper Princess) der böse Macho Bad Boy dann doch so zahm und pflegeleicht ist der (ich will nicht spoilern… Hrmm, einige würden das bestimmt als Spioler finden) Jungfrau in Nöten zwar wegen Missverständnissen das Herz zu brechen, aber ansonsten sie dennoch so zu behandeln als wäre sie Kostbarste auf der Welt.
      Und Frau vergisst dann natürlich einfach, dass sie einen eigenen Kopf zum Denken hat. Lässt sich auf ihm ein und schwärmt davon, wie heiß er doch ist und man ihn erobern konnte, obwohl man ja doch so unerfahren ist und er mindestens die ganze Schule durch hat. Oh j, das finde auch ich romantisch. Nicht.

      Ich denke, dass es vor allem die Klischees sind, die gut ankommen. Dank der Klischees kann man sich ja wunderbar hineinversetzten. Und die schlimme Vergangenheit der meist männlichen Charaktere wird dann ein bisschen Spannung rein bringen. Dabei finde ich, dass gerade diese Komponente nie ganz so ausgereizt wird. Sie wird als Aufhänger genommen, um den Mann zu erklären. Warum er so kalt, so Machomäßig oder gar brutal veranlagt ist. Aber klar, eine Frau wird ihn schon heilen können. Ist ja besser als irgendeine Therapie die sich mit den verschiedenen Süchten und Aggressionen beschäftigt.
      So viel also auch mal zum Klischee des männlichen Parts, die ich auch nicht unbedingt super finde xD

      Um auf deine Sache mit dem Epilog zurück zu kommen: Meist ist es ja so, dass sich diese Reihen endlos lange hinziehen, ein Hin und Her geschieht (oh ja, Soaps waren gestern, heute ist es eben das Buch, dass einen tagtäglich zur Verzweiflung bringt…) und dieses meist auf Missverständnissen beruht. Ganz beliebt sind auch irgendwie die Mordfälle. Die auch irgendwie auf berühmten Klischees aufbauen und einer Soap nachempfunden sind xD

      Man sieht also, dass Charaktere, die in den Klischees nur so baden (und somit nicht nur der Frauenrolle keinen guten Dienst erweisen) gerade sehr in sind. Okay, das kann man sehen wie man möchte. Wo es hinfällt, dass sollte man aber genau betrachten. Denn wenn Missbrauchsthematiken selbst von Collagestudenten mit einem Fingerzeig auf den versuchten Bad Boy enden, läuft eindeutig etwas falsch. Klar, einem Gossenmädchen glaubt niemand. Wollte es ja so. Und da die Polizei oder wer anders so von mir denkt behalte ich das für mich. Egal ob der Typ vollkommen krank im Kopf ist und es wieder tun würde und dazu noch ein Verhalten an den Tag legt, bei dem man weiß, dass er noch jemanden verletzten wird. (So kam mir das nämlich rüber, vor allem im zweiten Band der Reihe rund um die strippende Ella. Aber den Rest hebe ich mir lieber mal für die Rezension auf xD)
      Ich finde, zum Schutz vieler junger Mädchen sollte man nicht so lasch mit solchen Themen umgehen. Gerade in den YA Büchern werden sich junge Mädchen wieder finden und wenn sie beeinflussbar genug sind dies genau so machen.
      Da finde ich, muss noch eine Menge getan werden.

      Liebe Grüße
      Sarah

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